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10.03.2025 – Willisau

Pastoralraumreise Indien

Indien – ein Land der Gegensätze das uns mit seinen Dimensionen beeindruckt. Unsere Reise führte uns von Neu-Delhi im Norden bis in den Süden Indiens, durch die Bundes-staaten Delhi, Rajasthan, Tamil Nadu und Kerala – eine Strecke von über 2.000 Kilometern.

Diese besondere Pastoralraumreise fand vom 24. Februar bis zum 11. März 2025 statt und wurde von unserem Priester Dr. Kulandaisamy Fernando initiiert. Über zwei Jahre hatte er diese Reise mit viel Hingabe geplant, um uns seine Heimat näherzubringen. Es war nicht nur eine Reise, sondern eine Herzensangelegenheit: Wir erlebten die verschiedenen Kulturen, besuchten bedeutende religiöse Stätten und tauchten in die Spiritualität des Landes ein. Josef Kalariparampil, ebenfalls Priester im Pastoralraum Suhrental, leitete die Gruppe vor Ort gekonnt – eine perfekte Organisation ohne nennenswerte Zwischenfälle. Die beiden Priester verständigten sich auf Deutsch oder Englisch – Indien führt insgesamt 23 Amtssprachen.

Unser Abenteuer begann in Neu-Delhi, der pulsierenden Hauptstadt Indiens. Hier besichtigten wir beeindruckende Bauwerke wie das Qutub Minar und das India Gate. Am zweiten Tag stand der Besuch des Museums von Mahatma Gandhi auf dem Programm – doch wir standen vor verschlossenen Türen. Was zunächst nach einem kleinen Rückschlag aussah, entpuppte sich als glückliche Fügung: Josef organisierte kurzerhand eine Tuk-Tuk-Fahrt für die ganze Gruppe! In kleinen, knatternden Dreirädern schlängelten wir uns durch das quirlige Verkehrschaos. Es war laut, chaotisch und wunderbar – für einen Moment fühlten wir uns wie echte Inder.

Von Delhi aus führte uns die Reise durch den Bundesstaat Rajasthan. Wir fuhren durch endlose Landschaften, besichtigten das Taj Mahal in Agra und erreichten schließlich Jaipur, die „Pink City“, mit ihren prachtvollen Palästen und Festungen. Von dort nahmen wir einen Inlandsflug nach Chennai, der Hauptstadt Tamil Nadus. Tamil Nadu mit seinen 78 Millionen Einwohnern beeindruckte uns mit seiner reichen Kultur. Der Minakshi-Tempel in Madurai mit seinen farbenprächtigen Türmen wirkte wie aus einem Märchenbuch entsprungen.

Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch der Heimat unseres Pastoralpriesters Dr. Kulandaisamy Fernando in Sivaganga-Karaikkudi. Seine Familie und Nachbarn empfingen uns herzlich – sogar mit einem riesigen Gruppenfotoplakat. Wir, stets fröhliche 33 Personen, wurden mit grosser Gastfreundschaft willkommen geheissen. Natürlich wurde traditionell gegessen: Auf einem Teller aus Bananenblättern wurde uns eine Vielfalt an Geschmäckern serviert – Fleisch, Gemüse und Saucen mit Gewürzen, begleitet von Reis als stabilisierender Basis – besonders hilfreich, wenn es einmal zu „spicy“ wurde. Eine Erfahrung, die nicht nur den Gaumen, sondern auch Herz und Seele berührte. Anschliessend besuchten wir das erst 30 Jahre alte Bistum von Kulandaisamys Heimatstadt in Kamaraj Nagar. Der Bischof begrüsste uns persönlich, und wir genossen den Nachmittagstee mit Gebäck bei einem interessanten Austausch.

Eine halsbrecherische Busfahrt durch den Urwald und Nationalpark

Das wahre Abenteuer begann auf der Fahrt nach Thekkady. Frühmorgens um 5 Uhr starteten wir zu einer halsbrecherischen, achtstündigen Fahrt durch den dichten Urwald in Vandamedu. Unser Bus war vollgestopft mit Menschen und Rucksäcken, begleitet von ohrenbetäubender Bollywood-Musik. Fenster? Fehlanzeige! Die engen, kurvigen Strassen schlängelten sich durch den Dschungel, während unser Fahrer mit beeindruckender Seelenruhe überholte. Tiere bekamen wir aufgrund unseres Lärms natürlich nicht zu Gesicht – nur ein einsamer, kränklicher Elefant trottete am Strassenrand entlang.

 

Der Bundesstaat Kerala, mit seinen 34 Millionen Einwohnern, präsentierte sich als grünes Paradies. Die berühmten Backwaters – ein Netzwerk aus Lagunen und Kanälen – erkundeten wir auf einem Hausboot. Eine Ruhe, die im starken Kontrast zum sonst so lebhaften Indien stand. Sogar ein sonntäglicher Schweizer-Jass war möglich.

Glaubenserlebnisse und indische Gastfreundschaft

Wir besuchten Sonntagsgottesdienste sowohl einen orientalischen Gottesdienst in Kerala als auch eine herkömmliche Messe in Tamil Nadu. Der Besuch der farbenfrohen Basilica St. Thomas im Stadtteil Mylapore in Chennai war ein besonderes Erlebnis. Hier soll der Apostel Thomas begraben sein, der das Christentum nach Indien brachte und im Jahr 72 n. Chr. den Märtyrertod erlitt. Ein weiteres Ritual, das wir mehrfach erlebten, war das Ausziehen der Schuhe vor dem Betreten sakraler Orte – Kirchen und Tempel wurden stets barfuss betreten, als Zeichen des Respekts. Erstaunlicherweise gab es keinen unangenehmen Fussgeruch, da fast alle ohne Socken unterwegs waren.

 

Trotz der tropischen Temperaturen von durchschnittlich 33 Grad zog es uns immer wieder in klimatisierte Räume. Die Folge: Einige von uns kämpften mit Husten, der jedoch mit bestem indischen Kräutersirup rasch gelindert wurde. Auch die Auswirkungen des Klimawandels waren spürbar.

Indien – zwischen Luxus und Armut

Insgesamt hatten wir neun Top-Hotels, was bedeutete: ständig Koffer packen – oder am besten gar nicht erst auspacken. Doch während wir den Komfort genossen, wurden wir auch immer wieder mit der harten Realität des Landes konfrontiert. Wir sahen Armut, bettelnde Menschen an Strassenrändern und vor Tempeln. Es tat uns leid zu sehen, unter welch schwierigen Bedingungen viele Menschen leben. Diese Begegnungen führten uns vor Augen, wie ungleich der Reichtum in der Welt verteilt ist und wie viel wir als selbstverständlich ansehen.

 

Nach zwei Wochen voller Eindrücke endete unsere Reise in Cochin, einer Hafenstadt mit portugiesischer, holländischer und britischer Vergangenheit.

 

Indien ist ein Land der Gegensätze: laut und leise, chaotisch und friedlich, erdrückend und befreiend zugleich. Eine Reise, die uns noch lange begleiten wird.

 

Ein herzlicher Dank an unsere beiden Priester Dr. Kulandaisamy Fernando und Josef Kalariparampil für die perfekte Organisation und Begleitung, an unsere wunderbare Reisegruppe für das gemeinsame Erleben und an die Menschen in Indien für ihre aussergewöhnliche Gastfreundschaft. Namaste! 🙏

 

Bericht von Bernhard Bucher